Diskussion um die Thermenbahn und den Thermenlandbus - eine Klarstellung

Ein Blick zurück

Als die A2 (Südautobahn) in den 1960-er und 1970-er Jahren errichtet wurde, diskutierte man auch eine Trassenführung über das Südburgenland nach Wien. Das wäre zwar die teurere, weil längere Variante gewesen, hätte allerdings den Raum Fürstenfeld eingebunden und den burgenländischen Pendlern nach Wien einen verkehrsmäßigen Vorteil gebracht. Gebaut wurde jedoch die billigere Variante über den Wechsel, vorbei an Fürstenfeld. Zunehmender Verkehr auf der Straße verbunden mit entsprechender Belastung der Orte führte ab Mitte der 1980-er Jahre zur Forderung der regionalen Politiker eine „leistungsfähige“ Straße, die S7, durch das Feistritzund Lafnitztal zu errichten. Lokale Ortsumfahrungen wurden in Erwägung gezogen und etwa in Altenmarkt erfolgreich umgesetzt. Letztendlich wurde aber die S7 präferiert.

Die Bahn von Graz über Fehring nach Wiener Neustadt und Wien spielte in diesen Überlegungen keine Rolle. In dieser Zeit meinte man, Regionalbahnen seien verzichtbar, einige von diesen wurden stillgelegt.In „Das steirische Gesamtverkehrskonzept 2008+“ in der Verantwortung der Landesrätin Mag.a Kristina Edlinger-Ploder (ÖVP) stellt die Bahn zwischen Fehring – Friedberg und Wiener Neustadt nur einen Nebenaspekt dar, sehr wohl aber hatte bereits die S7 Priorität. Die Züge sollten demnach „bedarfsorientiert“ im Zwei-Stunden-Takt unterwegs sein. Keine Rede von Ausbau, Ertüchtigung, Elektrifizierung. Im „Regionalen Mobilitätsplan (RMP) 2019“ änderte sich hinsichtlich der „Thermenbahn“ nichts Grundsätzliches. Dieses Konzept fiel nun in die Kompetenz von LH-Stellvertreter Anton Lang (SPÖ).
Es ist daher leicht nachvollziehbar, dass die Forderung der Region nach einer „Schnellstraße S7“ umgesetzt wurde und die Bahn weiterhin kein wesentliches Element einer Verkehrslösung in der Region darstellt. So kam bald an die Öffentlichkeit, dass der Personenverkehr von Fehring bis Hartberg 2025 eingestellt werden sollte bzw. die Bahn überhaupt von der Schließung bedroht sei. In der regionalen Diskussion wurde und wird die S7 als existenziell für die Wirtschaft, den Thermentourismus, für die Pendler, für die Entlastung der Orte vom Verkehr auf der B 319 dargestellt.

Die aktuelle Diskussion

2024 stehen entscheidende Wahlen – EU-Wahl, Nationalratswahl und die Landtagswahl in der Steiermark – an. Im Vorfeld dieser Wahlen versuchen nun die Parteien auch auf dem Gebiet des Regionalverkehrs politisches Kleingeld einzuheimsen. Dazu ist sowohl die Thermenbahn als auch der Thermenlandbus geeignet. In dieser Legislaturperiode fällt die Bahn in den

„grünen“ Kompetenzbereich des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK). Die zuständige Ministerin Leonore Gewessler, noch dazu eine Steirerin, wird  nun für all die zuvor erläuterten „Versäumnisse“ und Fehlplanungen verantwortlich gemacht. Vorwürfe wie „die Thermenbahn wird eingestellt“, „die Region wird ausgehungert“, „unser Bereich wird vergessen“ werden vor allem von der ÖVP aber auch in geringerem

Ausmaß von der SPÖ erhoben. Auch uns grünen GemeinderätInnen in Fürstenfeld gegenüber werden entsprechende Vorhaltungen gemacht. Dabei wird vergessen, dass der Öffentliche Verkehr kaum eine Gemeindeangelegenheit darstellt.

Nun die Probleme im Einzelnen - Einstellung des Thermenlandbusses

Der Bus verkehrt täglich vom Wiener Hauptbahnhof über die Thermen in Bad Waltersdorf, Bad Blumau zum Thermenresort Loipersdorf. Es ist das eine bequeme und auch umweltfreundliche Anreisemöglichkeit für Thermengäste aber auch generell. An Wochenenden und Feiertagen werden auch Bad Gleichenberg und Bad Radkersburg angefahren. Nun, so scheint es, ist die Finanzierung ab 1. Jänner 2024 nicht mehr gesichert. Die Thermenlandgemeinden und Thermen, die den Bus bisher gemeinsam finanziert haben, sehen sich nicht mehr in der Lage, das weiterhin zu gewährleisten. Die Grünen im Steirischen Landtag, namentlich LAbg. Lambert Schönleitner, fordern daher „ein klares Bekenntnis von Verkehrslandesrat Lang (SPÖ) und die Sicherstellung der Finanzierung.“ Folge dessen brachten die Grünen einen diesbezüglichen Antrag ein, in dem die Landesregierung aufgefordert wird, die Finanzierung des Thermenlandbusses sicherzustellen.

Auch vom Tourismusverband Thermen- und Vulkanland kommen positive Signale für die Weiterführung des Thermenlandbusses. Außerdem wird vom Vulkanland die Idee propagiert, die Buslinie in das normale Netz zu übernehmen. Dies hätte den Vorteil, dass man das Klimaticket nützen könnte, was bisher nicht der Fall war und von Fahrgästen auch immer wieder bedauert wurde.

Fazit: Es gibt positive Gespräche, die Grünen in der Steiermark und Ministerin Gewessler unterstützen die Weiterführung des Busses.

Stilllegung der "Thermenbahn"

Es ist schon ziemlich eigenartig, Ministerin Gewessler bzw. ihrem Ministerium zu unterstellen, die „Thermenbahn“ sei durch deren Politik gefährdet. Ganz im Gegenteil wurde in dieser Legislaturperiode so viel in Gleisdorf für den Öffentlichen Verkehr investiert wie schon lange nicht. Außerdem wurde durch die Einführung des Klimatickets ein entscheidender Impuls für die Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs gesetzt. Mobilität ist mit dem Klimaticket leistbar,

Die Realität in der Region

Die ÖBB gab erst kürzlich bekannt, dass die Bahnprojekte, die bereits im ÖBB-Rahmenplan und im SteiermarkPaket verankert sind – dazu gehört eben die Thermenbahn – nicht geändert werden. Im Abschnitt Fehring – Hartberg wird die Aufrechterhaltung des Personenverkehrs in bestehender Form garantiert. Eine Angebotserweiterung wird je nach vorhandenen Kapazitäten und Entwicklungsüberlegungen angedacht. Ein durchgehender 2 Stunden Takt wäre wünschenswert. Ein möglicher Ausbau dieses Abschnittes ist nicht geplant. Im Bereich nördlich von Hartberg wurden bereits Bahnhöfe und Brücken modernisiert.

Von 2024 – 2029 sind weitere 21 Mio. Euro dafür veranschlagt. Im Vergleich zur Elektrifizierung der Bahnstrecke von Gleisdorf über Feldbach – Fehring – Jennersdorf nach St. Gotthard ist die „Thermenbahn“ nun klar benachteiligt. Beklagten die Anrainergemeinden im Raabtal noch vor einigen Jahren das Fehlen einer „Hochleistungsstraße“ wie die S7, so ist die Region nun hinsichtlich des Bahnausbaues klar voran. Nun ist es aber nicht redlich, dafür die jetzige Ministerin Gewessler verantwortlich zu machen. Infrastrukturprojekte wie jene der Bahn können nicht in kurzer Zeit umgesetzt werden. Die politisch Verantwortlichen in der Thermenregion müssten das eigentlich verstehen, sie bräuchten sich bloß die Vorgeschichte der S7 als Beispiel nehmen.

Fazit:

  • Der Thermenlandbus wird weiterhin unterwegs sein, wenn das Land Steiermark die Landesmittel bereitstellt und Thermen sowie die Gemeinden finanziell unterstützt. 
  • Es ist keine Rede davon, dass die „Thermenbahn“ zwischen Hartberg und Fehring den Personenverkehr einstellt bzw. die Bahn überhaupt stillgelegt wird. Ein Ausbau dieses Abschnitts ist aktuell nicht angedacht.

Treffen mit Bundesministerin Leonore Gewessler

Am 7. Feber hatte Bundesministerin Gewessler einen Termin in der Steiermark. Vizebürgermeister Harald Peindl und GR Dr. Franz Timischl trafen Ministerin Gewessler in Gleisdorf und konnten ihre Sichtweise die „Thermenbahn“ betreffend übermitteln.

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Gleisdorf, 7.2.2024: Vizebürgermeister Harald Peindl, Bundesministerin Leonore Gewessler, GR. Dr. Franz Timischl | © Stelzer - Grüne Steiermark

Am 20. Feber trafen sich Fürstenfelder Grüne mit Expert:innen des Klimaschutzministeriums, um sich über zukünftige Vorhaben zum öffentlichen Verkehr in der Thermenregion grundlegend zu informieren.

Zu sehen sind: Elisabeth Bauer, Franz Timischl, Jakob Schwarz, Angela Timischl

Gemeinderätin Elisabeth Bauer, Gemeinderat Mag. Dr. Franz Timischl, Mag. Dr. Jakob Schwarz (Nationalratsabgeordneter, Stellvertretender Klubobmann, Sprecher für Budget und Steuern), Angela Timischl | © Grüne Fürstenfeld