"Demokratische Politik lebt vom Ausgleich verschiedener Interessen"
In den kleineren Parteien denkt man nun nach, ob man noch einmal antreten soll für diesen ehrenamtlichen Job. Es stellt sich die Frage, was sich erreichen lässt, wenn man im Gemeinderat sitzt. Macht es Sinn, sich aus einer Minderheitenposition einzubringen?
Meine Antwort, aus rund 15 Jahren Erfahrung im Gemeinderat: Ja, es macht Sinn! Wichtig für die Arbeit im Gemeinderat ist meiner Ansicht nach, dass das Gesprächsklima einigermaßen in Ordnung ist. Dazu kann man selbst viel beitragen. Man muss nicht immer einer Meinung sein, sollte aber dem Gegenüber seine Position zugestehen. So lässt sich meist verhandeln und lassen sich auch Lösungen mit mehr Vorteilen und weniger unerwünschten Nebenwirkungen finden.
DEMOKRATISCHE POLITIK LEBT VOM AUSGLEICH VERSCHIEDENER INTERESSEN
Warum braucht es eigentlich verschiedene Gruppen oder Parteien? Sie vertreten klassisch zwei Pole. Die einen haben gesagt, dem Menschen geht es gut, wenn er alle wirtschaftlichen Freiheiten hat. Die anderen meinten, soziale Rechte sind wichtiger als individuelle Rechte. Der eine fördert die persönliche Initiative, der andere sorgt
dafür, dass die Schere zwischen Arm und Reich nicht zu weit aufgeht.
Heute macht es wohl Sinn, etwas vernetzter zu denken. Die Welt ist unübersichtlicher und komplexer geworden. Das braucht auch eine andere Art zu denken, um bei Problemen weiterzukommen. Ein Blick in die nähere Zukunft lässt mich auch vermuten, dass manches mehr herausfordernd wird. Gelder und somit Spielräume werden enger. Also, wo jetzt sparen und wo besser nicht?
ZURÜCK IN DIE GUTE ALTE ZEIT?
Funktioniert dieser Wunsch, bloß weil wir es gerne hätten? Haben Sie schon einmal nachgedacht, wie Ihre Einkommenssituation in den 50er Jahren war oder die Größe ihrer Wohnung? Welche Ängste und Befürchtungen gab es damals? War damals wirklich alles besser?
Sabine Veitlmeier und ich sind sowohl im beruflichen als auch ehrenamtlichen Umfeld oft mit Komplexität konfrontiert worden. Ich meine, das ist ein guter Grund, die „Herausforderung Gemeinderatssitz“ anzunehmen. Es braucht mehr Miteinander, um tragfähige Lösungen zu suchen. Und dafür bringen wir Erfahrung mit.