Seiersberg-Pirka: Gegen Privilegien - oder ist das gerecht?

Punktesystem bei der Kinderbetreuung in Seiersberg-Pirka

Obwohl erst letztes Jahr ein neuer Kindergarten eröffnet wurde, können immer noch nicht alle Kinder im Alter von 18 Monaten bis 6 Jahren in unseren Kinderkrippen und Kindergärten betreut werden. Zuletzt mussten sich die Eltern von fast 70 Kindern leider mit einem Platz auf der Warteliste begnügen. Ob ein Kind einen fixen Platz bekommt oder eben nicht, hängt von der persönlichen Lebenssituation der Eltern ab. Mit einem eigenen Punktesystem versucht die Gemeinde die Plätze auf Basis der persönlichen Lebenssituation der Eltern gerecht zu vergeben. So weit so gut, doch die Ungerechtigkeit steckt im Detail.

Punkte gibt es z. B. dafür, ob Eltern und Kind ihren Hauptwohnsitz in der Gemeinde haben. Ebenso gibt es Punkte abhängig vom Grad der Berufstätigkeit der Eltern. Beides finden wir richtig und gut gelöst. Das Punktesystem enthält jedoch auch einen Punktezuschlag für die Gemeindebediensteten von Seiersberg-Pirka. Dieser Punktezuschlag sorgt dafür, dass Kinder von unseren Gemeindebediensteten, egal wie die sonstige persönliche Lebenssituation aussieht, IMMER einen Platz bekommen.

EIN KURZES BEISPIEL:

Die Eltern von Sophie wohnen schon über fünf Jahre in Seiersberg-Pirka. Der Vater arbeitet Vollzeit und die Mutter möchte nach der Karenz ebenfalls wieder in ihren Vollzeitberuf zurückkehren. Entsprechend dem Punktesystem kommen sie auf 56 Punkte.

Die Eltern von Paul sind vor zwei Jahren nach Seiersberg-Pirka gezogen. Die Mutter arbeitet im Ausmaß von 70% in der Gemeinde. Der Vater arbeitet ebenfalls Teilzeit, jedoch lediglich 50%. Da die Mutter als Gemeindebedienstete einen Bonus von 50 Punkten bekommt, erreichen die Eltern von Paul 93 Punkte und bekommen damit einen fixen Betreuungsplatz.

IST DAS GERECHT?

Die Gemeinde Seiersberg-Pirka ermöglicht mit dieser ungleichen Punktevergabe den eigenen Angestellten einen sicheren Zugang zur Kinderbetreuung, um als Arbeitgeber:in attraktiv zu sein. Gleichzeitig ergibt sich damit jedoch eine massive Benachteiligung gegenüber den restlichen Familien mit betreuungspflichtigen Kindern und ebenfalls gegenüber den ansässigen Wirtschaftsbetrieben, da diese ihren Mitarbeiter:innen kein vergleichbares Angebot machen können.

Vor dem Hintergrund, dass unsere Kinderkrippen und Kindergärten zur Gänze aus den Steuern von uns allen finanziert werden, widerspricht der Punktezuschlag von +50 Punkten für Gemeindebedienstete der Gemeinde Seiersberg-Pirka nicht nur unserem persönlichen Gerechtigkeitsempfinden, sondern vor allem dem Gleichheitsgrundsatz.

Damit wir nicht falsch verstanden werden, wir wollen unseren Gemeindebediensteten nichts wegnehmen, wir sind der Meinung, dass allen Eltern in unserer Gemeinde ein fixer Kinderbetreuungsplatz angeboten werden muss. Wir setzen uns daher dafür ein, dass in den kommenden fünf Jahren ausreichend Kinderbetreuungsangebote geschaffen werden, damit alle Eltern, die sich eine Betreuung wünschen, diese auch bekommen.